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Dritter Erfahrungsbericht von Konrad Reichel  

Liebe Leser,
ich sitze gerade in der Geschäftsstelle von „Corazones para Perú“, der „Ofi“, und überlege krampfhaft, wie man das Thema „Kreativität und Provisorien“, das ich eigentlich für diesen Freiwilligenbericht vorgesehen habe, möglichst spannend gestalten kann.
Mir ist nichts eingefallen. Das Thema ist schnell behandelt: Fehlt einem etwas, schafft Kreativität Provisorien, die das Fehlende ersetzen. An Provisorien gewöhnt man sich schnell und will sie nicht ändern, weil man tendenziell zur Trägheit neigt nach dem Motto: „Never stop a running system!“ Fertig.
Doch dann habe ich einem Gespräch anderer Freiwilliger zugehört, das davon handelte, wie sehr oder ob man überhaupt als Erwachsener in seiner früheren Heimat leben möchte. Wieso das Thema „Heimat“ nicht auf „Kreativität und Provisorien“ beziehen? Also los!
Wir Freiwilligen haben uns alle dafür entschieden, für ein Jahr unsere deutsche und bisher einzige Heimat zu verlassen. Kann man hier in Perú eine Heimat finden, wenn einem viele vertraute, „deutsche“ Dinge fehlen? Ich z.B. habe keinen eigenen Schreibtisch, der früher mein Zimmer dominiert hat, und unser einziger Tisch ist immer mit Einkäufen, Patengeschenken, Kleidung usw. vollgestellt, unsere Halterung für Küchengeräte hängt an einem Besenstiel, bei Essensgerichten werden verschiedenste Varianten improvisiert, weil manche Produkte zu teuer sind oder einfach nicht vorhanden sind. (In Perú werden z.B. Milchprodukte nicht subventioniert wie in der EU.) Warm duschen konnten wir in den letzten drei Monaten nur, wenn die Sonne geschienen hat, weil unsere Elektrodusche kaputt war.
Die letzten drei Monate haben mir gezeigt, dass man sich an alles, jedes Provisorium, aber auch jeden Mangel gewöhnen kann, solange die menschlichen Grundbedürfnisse gedeckt sind (Essen, Toilette, etwas Hygiene, grundsätzliche Gesundheit, Gesellschaft). Ob man sich in seinen Lebensumständen wohl fühlt, hängt von seiner Einstellung und seinen Erwartungen ab. Sehr weit heruntergeschraubte Erwartungen und die gleichzeitige Einstellung, das Maximum aus den Lebensumständen herauszuholen, macht es einem unfassbar leicht, sich wohl und geborgen zu fühlen, da jede übertroffene Erwartung eine Freude für sich ist.
Doch reichen übertroffene Erwartungen und das Gewöhnen an die Lebensumstände für das Finden einer Heimat?
Das Problem an dieser Erörterung ist, dass „Heimat“ für jeden etwas anderes ist. „Es ist der Ort, wo ich mich am wohlsten fühle.“ „Es ist die Möglichkeit, mit allen Personen in Kontakt zu stehen, die mir wichtig sind.“ „Es ist der Ort, wo ich akzeptiert werde und meine Angewohnheiten ausleben kann.“ „Es ist mein Glaube.“ „Es ist der Ort, wo ich alles kenne.“ …
Doch was ist jetzt die Botschaft dieses Freiwilligenberichts?
Heimat ist für jeden etwas anderes. Aber jeder kann mit den geeigneten Mitteln seinen gegenwärtigen Standpunkt zu seiner Heimat machen, wenn man will und wenn man sich bewusst ist, was für einen seine Heimat ist. Akzeptanz kann man sich erarbeiten, Freunde suchen und finden, mit seiner Familie kann man in Kontakt stehen, seinen Glauben kann man zumindest für sich im Stillen leben, …
Vielleicht fallen Ihnen doch Ansprüche an „Heimat“ ein, die man sich nicht erarbeiten kann. Dann wäre ich begeistert, wenn Sie sich fragen, ob man nicht für Andere diese Ansprüche möglich machen kann und ob Sie in Deutschland oder aus Deutschland heraus dies nicht auch tun können.
Anmerkung: Um kein falsches Bild zu vermitteln, will ich kurz anmerken, dass ich in meinen Beispielen nur Fälle thematisiert habe, wo sich mein Aufenthaltsort in Perú und der in Deutschland unterscheiden. Es gibt allerdings viele Dinge, die ich aus Deutschland gewohnt bin.



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