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Januarbericht von Konrad Reichel   


Liebe Leser,

dieses Mal möchte ich mit einer Traumreise beginnen.

Schließen Sie die Augen. Spaß beiseite! Lesen Sie aufmerksam weiter. Sie befinden sich in ihrem Haus. Alles ist ganz normal. Sie haben sich gerade ein Getränk auf ihren Schreibtisch gestellt, haben im Internetbrowser die herzenhelfen-Adresse eingegeben und klicken sich durch die neusten Bilder und Texte aus dem peruanischen Hilfsprojekt durch. Gerade sind Sie dabei, den monatlichen Freiwilligenbericht von Konrad Reichel zu lesen.

Da klingelt es an der Tür. Sie fragen sich, wer das ist, denn eigentlich haben Sie niemanden erwartet. Sie laufen zur Tür und öffnen. Direkt müssen sie ihre Blickrichtung um 15 Grad nach unten korrigieren. Sie schauen auf dichte schwarze Haare. Vor Ihnen steht ein braungesichtiger Mensch. Er hat eine etwas untersetzte Statur, sein Bauch ist etwas dicklich. Wenn sie den Blick noch etwas weiter nach unten wandern lassen, sehen sie eine dünne Leinenhose und Sandalen, die er komischerweise trotz des kalt-nassen Klimas trägt. Dann schauen Sie ihm wieder in die Augen. Mit der Begrüßung kommt er Ihnen zuvor und es kommt zu folgendem Gespräch:

(Ihre Antworten müssen Sie sich natürlich selber überlegen, aber die Erwiderungen sind davon vollkommen unabhängig, weil die Person nicht gut Deutsch versteht und sich seine Sätze schon im Vorhinein überlegt hat.)

FREMDER: „Gute Tage! Wie befinden Sie sich?“ SIE: „…“ FREMDER: „Ich nenne mitsch Raúl und kome von der OENECHE „´ilf´ Deutschland“. SIE: „…“ FREMDER: „Ich frage ditsch, os du Vegünstigter unse´es OENECHE weden will“ SIE: „…“ FREMDER: „Könntest tu „Ja“ oder „Nain“ sachen?“ SIE: „…“ FREMDER: „Ist gut! Wis sehn uns!“ SIE: „…“

Sie schließen die Tür. Denken einen Moment nach und begeben sich dann wieder an den Computer zu ihrer Lektüre.

Am nächsten Tag kommt das gleiche braunhäutige Männchen wieder, allerdings mit einem Deutschen, der Ihnen die Situation erklärt.

Letzte Woche hatten wir (alle 15 Freiwilligen von „Herzen für eine neue Welt“) ein Zwischenseminar mit unseren Koordinatorinnen. Eins der Themen war „Sinnhaftigkeit eines entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes“. In diesem „Bericht“ möchte ich alle Gegenargumente gegen ein FSJ im anderssprachigen Ausland nennen.

- Man spricht die Landessprache häufig nicht so gut und kennt sich in der Kultur nicht aus, was Ineffizienz bewirkt und manchmal sogar Zusatzarbeit produziert.

- Mit dem Geld, was man für das FSJ ausgibt, hätte man das Hilfsprojekt auch besser unterstützen können.

- Durch seine billige Arbeitskraft nimmt man Inländern Arbeitsplätze weg.

- Man schwächt das Selbstbewusstsein eines anderen Kulturkreises, indem man ihn so darstellt, dass er Hilfe brauche bzw. Hilfsbedürftigen nicht helfe(n könne).

- Freiwillige sind für ihre Arbeit oft nicht ausreichend ausgebildet.

- Freiwillige können in Begünstigten/Beneficiarios Neid wecken, weil sie andere Dinge besitzen oder können, die sie nicht besitzen (z.B. die Möglichkeit, einen Auslandsaufenthalt zu machen.)

- Freiwillige können eine arrogante Einstellung gegenüber kulturellen Gepflogenheiten haben, weil Sie ihre Arbeitsweise als die Beste ansehen.

- Dadurch können Freiwillige zu Missgunst in der Organisation im Hilfsprojekt sorgen.

Ich habe mich entschlossen die Kontraseite darzustellen, weil ich sonst immer nur positiv über den Freiwilligendienst bei Herzen für eine neue Welt berichte und jetzt zweigen möchte, dass wir Freiwillige auch einen kritischen Blick auf unser FSJ haben.

Die Proargumente für ein FSJ im Ausland dürfen Sie sich selber überlegen, wenn es Sie interessiert.

Ich stehe übrigens voll und ganz hinter der Sinnhaftigkeit eines FSJs im Ausland im jugendlichen Alter.

Viele Grüße nach Deutschland und viel Spaß beim Diskutieren! Vielleicht schreibe ich auch noch eine Erörterung über die Pro-Argumente eines FSJs im Ausland.

Konrad Reichel

Appendix-Liste: Der FREMDE aus der Traumreise ist ein überspitzter Klischee-Peruaner gewesen. Das ist vollkommend pauschalisieren, aber irgendeinen Charakter musste ich mir ja ausdenken. Die Traumreise habe ich Sie machen lassen, damit Sie sich die Argumente besser vorstellen können. Auch die Argumente sind undifferenziert. Bsp.: Manche sprechen die Landessprache ausgezeichnet. OENECHE sollte übrigens NGO bedeuten, nur spanisch ausgesprochen.



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